Protest-frei oder nicht Protest-frei?

Protest-frei oder nicht Protest-frei?

2018-05-10T11:24:58+00:00

Die Antwort auf diese Frage entscheidet, ob wir als Protest-Opfer durch´s Leben gehen!

„Ich ärgere mich!“ „Ich bin im Stress!“ „Ich zweifele an mir!“ „Ich habe Angst!“ „Ich bin vom Pech verfolgt!“ Kennen Sie diese oder ähnliche Aussagen bzw. haben Sie diese Sätze selbst schon einmal gesagt oder gedacht. Ich ehrlich gesagt habe schon oft in meinem Leben diese und ähnliche Gedanken von mir gegeben. Doch es hat eine lange Zeit gedauert bis ich die wahre Botschaft, die hinter diesen Gedanken steckte erkannt habe. Wenn Sie sich diese Sätze einmal ansehen, erkennen Sie, die Botschaft die hinter diesen Sätzen steckt. Lassen Sie sich ruhig einen Augenblick Zeit bzw. denken Sie einen Augenblick nach.

Und haben Sie die Botschaften entschlüsselt? Die Botschaft dieser Gedanken lautet: „Du ärgerst Dich selbst!“ Du machst Dir selbst Stress!“ „Du zweifelst selbst an Dir!“ „Du erzeugst Angst in Dir!“ „Du meinst, dass Du Pech anziehst!“

 

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Ärgern wir uns selbst? ©Pixabay

 

Ärgern wir uns selbst?

Wer ärgert sich denn selbst? Wer erzeugt selbst Stress? Wer ängstigt sich denn schon bewusst? Wer möchte gerne Pech anziehen? Diese Fragen gehen Ihnen eventuell jetzt durch den Kopf. Die Antwort auf diese Fragen lautet: Fast jeder Mensch neigt dazu, genau diese Verhaltensweisen an den Tag zu legen. Unglaublich aber wahr! Eine interessante Frage ist nun, weshalb tut sich ein Mensch diese Dinge an? Auch hier ist die Antwort relativ einfach. Ein Mensch geht allzu gerne in den Protest. Anders ausgedrückt bedeutet diese Aussage, dass ein Mensch dazu neigt, alles Mögliche auf dieser Welt und in seinem Leben zu verurteilen. Und genau dieses Verurteilen führt dazu, dass Menschen sich ärgern, an sich zweifeln, sich ängstigen oder sich vom Pech verfolgt fühlen.

Woher kommt diese Verhaltensweise? Haben wir die Proteste eventuell schon auf diese Welt mitgebracht? Schauen wir uns einmal einen kleinen neugeborenen Erdenbürger etwas genauer an. Was lebt er für ein Leben in seinen ersten Tagen, Wochen und Monaten? In den meisten Fällen lebt ein Neugeborenes ein sehr glückliches und zufriedenes Leben. Es benötigt nur sehr wenige Dinge um glücklich zu sein. Dazu gehört ein bisschen Nahrung, ein bisschen Luft zum Atmen und natürlich das Gefühl geliebt zu werden bzw. das Gefühl körperlichen Kontakt zu einem anderen Menschen zu haben. Sind diese Dinge gegeben, dann fühlt sich dieser neue Erdenbürger pudelwohl und glücklich. Welche Verhaltensweise legt dieses Baby im Gegensatz zu uns Erwachsenen – nicht – an den Tag? Es verurteilt nichts und niemanden. Dieser neue Erdenbürger protestiert nur, wenn er das Gefühl hat, dass seine Existenz bedroht ist. Also er schreit nur, wenn er Hunger, Durst oder Schmerzen hat bzw. schon lange nicht mehr auf den Arm genommen wurde. Denn in diesen Situationen macht sich das Neugeborene berechtigterweise Sorgen über seine Existenz. Den Rest der Zeit genießt das Baby sein Leben. Es schaut aus dem Kinderwagen, erfreut sich an Regen, Sonne und Schnee und an den Menschen, die ab und zu einmal mit lustigen Grimassen in den Kinderwagen hineinsehen. Was machen wir Erwachsenen wenn es regnet? Wir verurteilen das Wetter, indem wir denken: so ein blödes Wetter! Ändert sich dadurch das Wetter? Nein, bestimmt nicht. Aber was ändert sich in diesem Moment? Genau, es ändert sich unsere Gefühlslage! Wir sind betrübt gestimmt. Und genau diese Art des Denkens bzw. des Verurteilens ist in diesem Zusammenhang mit Protest gemeint.

 

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Woher kommt diese Art des Denkens? ©Pixabay

 

Ist der Protest anerzogen?

Woher kommen nun diese protestvollen Gedanken? Diese Art des Denkens wird uns anerzogen, indem man uns vorlebt wie man gegen dieses und jenes protestiert. Am Anfang unseres Lebens können wir tun was wir wollen, die uns umgebenden Erwachsenen finden es einfach toll. Wenn wir in die Windeln machen, freut man sich über eine gesunde Verdauung. Wenn wir „Mapa“ statt „Mama“ sagen, freuen sich die Erwachsenen darüber, dass wir das Sprechen beginnen. Und wenn wir nach dem ersten Schritt auf die Nase fallen, freuen sich alle, dass wir das Laufen erlernen. Kein Mensch käme auf die Idee uns zu rügen, wenn wir in die Windeln machen, uns zu schimpfen, wenn wir „Mapa“ sagen oder uns einen Versager zu nennen, wenn wir nach dem ersten Schritt auf die Nase fallen. Kein Mensch verurteilt uns bzw. unsere Verhaltensweisen. Dies ändert sich jedoch im Laufe des Heranwachsens. Jetzt heißt es schon einmal: Lass das! Das macht man nicht! Das ist schlecht! Das ist gut! Du bist faul! Du bist doof! usw. Sie kennen sicherlich diese und ähnliche Aussagen. Anders ausgedrückt man lernt uns auf sehr intensive Art und Weise, wie man einen anderen Menschen verurteilt. Und da uns diese Menschen, die uns diese Verhaltensweise lernen sehr wichtig sind und uns als Vorbilder dienen, übernehmen wir dieses Verhaltensmuster. Jetzt beginnen wir ebenfalls alles Mögliche zu verurteilen. Im Laufe unseres Lebens erleben wir eine Vielzahl an Situationen, in denen uns das Verurteilen beigebracht wird und wir diese Verhaltensweise übernehmen. Das ist schade, aber eben auch normal. Sie brauchen jetzt nicht Ihre Eltern anzurufen und diese kritisieren, warum sie Ihnen das Verurteilen beigebracht haben. Alle Eltern dieser Welt haben sicherlich nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt und versucht das Beste für ihren Nachwuchs zu tun. Sie kannten es eben nicht anders. Zudem sind an diesem Prozess nicht nur die Eltern beteiligt, sondern letztendlich alle Menschen, mit denen wir in unserem Leben zu tun hatten.

 

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Recht oder Unrecht? ©Pixabay

 

Welche Auswirkungen haben unsere Verurteilungen?

Schauen wir uns nun einmal an, welche Auswirkungen diese Proteste auf unser Leben haben können. Am Beispiel „Ärger“ kann man sehr schön erkennen, welche Mechanismen Proteste auslösen. Welche Verhaltensweise löst Ärger aus? Es ist immer die gleiche Verhaltensweise. Wir verurteilen eine Situation bzw. einen Menschen, nur weil dieser Mensch oder diese Situation nicht so ist, wie wir uns das vorstellen. Bedeutet dies nun, dass wir alle Menschen und Situationen in unserem Leben akzeptieren müssen bzw. das wir uns alles gefallen lassen müssen. Nein, das ist nicht mit einem protestfreien Leben gemeint. Protestfrei leben bedeutet nur, dass wir uns nicht mehr aus unserem Gleichgewicht bringen lassen, wenn etwas nicht in unserem Sinne geschieht. Wenn wir nämlich einen Menschen oder eine Situation verurteilen, dann ändert sich dieser Mensch bzw. diese Situation nicht. Erst wenn wir mit einem kühlen Kopf die jeweilige Situation betrachten, sind wir in der Lage das Bestmögliche für uns und unser Umfeld zu erreichen.

 

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Gibt es Alternativen? ©Pixabay

 

Protest-Auflösungs-Training auf der Autobahn

Nehmen wir einmal an, vor uns fährt auf der linken Spur der Autobahn ein Autofahrer mit Tempo 80 km/h und genießt die Landschaft. Natürlich können wir uns jetzt aufregen, ihn verurteilen, hupen oder ganz dicht auffahren. Aber förderlich sind diese Verhaltensweisen weder für unsere noch für die Gesundheit der anderen Verkehrsteilnehmer. Wären wir in einer solchen Situation protestfrei, hätten wir eventuell bessere Ideen. Beispielsweise könnten wir auf die rechte Spur wechseln, unsere Lieblingsmusik einlegen und die paar Minuten der Verzögerung für unsere persönliche Entspannung nutzen. Jetzt gibt es natürlich auch wichtigere Situationen in unserem Leben als auf der Autobahn unterwegs zu sein. Nehmen wir einmal an, wir befinden uns in einer Diskussion über ein bestimmtes Thema. Einer der Beteiligten greift uns persönlich an, indem er sagt, dass wir von diesem Thema keine Ahnung haben. Wenn wir ihn jetzt verurteilen, werden wir genauso unsachlich zurückschlagen. Aus der friedlichen Diskussion wird jetzt ein Streit, der immer mehr eskaliert. Würden wir unseren Protest auflösen und den Angreifer nicht verurteilen, dann würden wir jetzt einen kühlen Kopf bewahren, ihn anlächeln und ihm sagen, dass wir durchaus verstehen können, dass er der Meinung sei, dass wir keine Ahnung von dem Thema haben. In aller Ruhe würden wir ihm nun unseren Standpunkt erläutern und mit überzeugenden Argumenten unsere Meinung darlegen. Was meinen Sie mit welcher Verhaltensweise, hätten wir mehr Erfolg bei unserer Überzeugungsarbeit? Klingt plausibel, oder? Diesen kühlen Kopf bewahren wir immer, sobald wir unsere Proteste auflösen bzw. nichts und niemanden verurteilen.

Eine Protest-freie Zeit

wünscht Andreas Nemeth

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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