Mach‘ mal langsam!

Wenigstens ab und zu sollte man sich an Schnecken ein Beispiel nehmen. © johnwilhelm/Fotolia

Wenigstens ab und zu sollte man sich an Schnecken ein Beispiel nehmen. © johnwilhelm/Fotolia

Langsamkeit ist in unserer Gesellschaft keine Tugend. Der Spruch „Gut Ding‘ will Weile haben“ scheint keine Gültigkeit mehr zu besitzen. Fortschritt wird seit Jahrzehnten gleichgesetzt mit Schnelligkeit. Rasante Autos, blitzartige Ideen und rasche Entscheidungen sind es, was zählt, um Erfolg und Intelligenz zu beweisen.

Doch nach und nach werden auch die Nachteile dieser Denkweise klar: „Zeitknappheit und Alltagsstress löst man nicht durch noch mehr Effizienz“, heißt es in der kürzlich im Zukunftsinstitut, Frankfurt/Main, erschienenen Studie „Slow Business“, in der acht Wirtschaftsbereiche „die Absage an die alte, dem Ende entgegenrasende Beschleunigungsökonomie“ signalisieren.

Ein Beispiel für eine Entschleunigung ist die Slow Food-Bewegung, die vielleicht einigen von Ihnen ein Begriff sein wird. Sie setzt sich für bewusstes Genießen und den Erhalt der Kultur des Essens und Trinkens ein. Doch auch in anderen Bereichen erkennen die Autoren der Studie eine Verlangsamung. So gewinnen im Bereich Design Qualitätsmaßstäbe wie Nachhaltigkeit, Individualität, Regionalität und Langlebigkeit an Bedeutung. Handmade oder Upcycling sind in diesem Zusammenhang Stichworte. Zugleich erkennen die Experten „jenseits von Pauschalurlaub, Massentourismus und Jetset-Mythos“ mit dem Trend des Slow Travel eine neue Form von Erlebnisreisen. Und auch in der Medienwelt, die per se für Schnelllebigkeit steht, gibt es entgegengesetzte Tendenzen. Diese erkennt die Studie beispielsweise im Erfolg von horizontal erzählten Fernsehserien wie ‚Mad Men‘ oder ‚Breaking Bad‘, deren Erzählstränge sich über die gesamte Staffel erstrecken.

Neben der Studie des Zukunftsinstituts möchte ich Ihnen an dieser Stelle auch das 1983 erschienene Buch von Sten Nadolny ‚Die Entdeckung der Langsamkeit‘ empfehlen, in dem ein scheinbar durch seine Langsamkeit nicht in die schnelle Gegenwart passender Kapitän letzten Endes gerade aufgrund dieser Eigenschaft als Polarforscher und Entdecker erfolgreich ist.

In diesem Sinne, schalten Sie mal einen Gang runter!
Ihr Andreas Nemeth

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