Fünfe gerade sein lassen

Faulenzen oder kreativer Prozess - das ist hier die Frage! © Dasha Petrenko / Fotolia

Faulenzen oder kreativer Prozess – das ist hier die Frage! © Dasha Petrenko / Fotolia

Es gibt Tugenden, die werden uns schon mit der Muttermilch eingeflößt (und deswegen auch nur selten infrage gestellt). Vieles davon findet sich auch in guten alten Sprichworten wieder, wie z.B.: Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen.

Dieser Aussage würde Adam Grant, Professor für Organisationspsychologie an der Wharton Business School (University of Pennsylvania), vermutlich widersprechen. Sein vor kurzem (und bisher nur in Englisch) erschienenes Buch „Originals – How Non-Conformists move the World“ zweifelt so einige Denk- und Verhaltensweisen an, die in unserem Kulturkreis seit Jahrhunderten tradiert werden. Dazu gehört auch, dass man wichtige geschäftliche Dinge einfach mal liegen lässt. Seine Theorie: Dinge liegen zu lassen, macht kreativ. Sehr schön ist das nachzulesen in seiner Kolumne in der  New York Times vom 16. Januar 2016 unter dem Titel „Why I taught myself to procrastinate”. Prokrastination ist übrigens laut Wikipedia „eine Arbeitsstörung,  die durch ein nicht nötiges Vertagen des Arbeitsbeginns oder auch durch sehr häufiges Unterbrechen des Arbeitens gekennzeichnet ist“. Viele (Ex-) Studenten werden wissen, wovon die Rede ist.

Nun, Adam Grant sieht das grundlegend anders, und eine ehemalige Studentin von ihm, mittlerweile Professorin an der Universität von Wisconsin, hat anhand von Experimenten nachgewiesen, dass die Menschen, die fünf Minuten Computerspiele spielen, bevor sie gemäß Aufgabe eine Geschäftsidee entwickeln, um 28 Prozent kreativer sind als solche, die sofort mit der eigentlichen Herausforderung beginnen. Einer der Gründe, so Adam: Die ersten Ideen sind meist eher konventioneller Art, wenn wir uns mehr Zeit lassen oder eben prokrastinieren, kommt oft Innovativeres heraus.

Grant zitiert in seiner Kolumne den Drehbuchautoren Aaron Sorkin, der dafür berüchtigt ist, alles bis zur letzten Minute aufzuschieben. Der Autor der Fernsehserie „The West Wing” antwortete, angesprochen auf seinen Hang zur Prokrastination: „Sie nennen es prokrastinieren, ich nenne es denken.“

In diesem Sinne
Ihr
Andreas Nemeth

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