Alter Wein in neuen Schläuchen

/ Achtsamkeit, Potenzialentwicklung

Ob Kunde oder Einkäufer - eine sorgfältige Auswahl gehört dazu. © Stefan Klever

Ob Kunde oder Einkäufer – eine sorgfältige Auswahl gehört dazu. © Stefan Klever

Das lateinische Wort curare bedeutet so viel wie „sorgen für, sich kümmern um“, und hat sich derzeit zu einem der Lieblingsbegriffe der Handelsszene gemausert. Während die Kuratorin/der Kurator im Bereich der Kunst, z.B. als die-/derjenige, die/der Werke für eine Ausstellung zusammenstellt, seit langem gang und gäbe ist, entdeckt der Fashionretail gerade kuratierte Sortimente und Curated Shopping.

Was sich insbesondere hinter Letzterem verbirgt, darüber herrscht noch eine gewisse Uneinigkeit und reicht von Vorabauswahl bis hin zum Personal Shopper – Services, die ich phantastisch und wichtig finde, die aber meines Erachtens nach keines neuen Namens bedürfen. Prinzipiell ist es immer begrüßenswert, wenn sich Händler darüber Gedanken machen, welche neuen Pfade sie beschreiten können. Im Fall des kuratierten Sortiments bzw. des Curated Shoppings kommt es mir jedoch ein wenig so vor als würde es hier aller Wein in neuen Schläuchen verkauft.

Fangen wir beim kuratierten Sortiment an: Sollte das Angebot eines (guten) Händlers nicht immer sorgfältig ausgewählt und auf die Klientel abgestimmt sein sowie aktuellen Trends folgen? Ja, kann ein Geschäft überhaupt längerfristig gewinnbringend bestehen, wenn dem nicht so ist?

Und dann Curated Shopping, was ja übersetzt so viel heißen würde, wie ein Einkauf, bei dem sich um den Kunden gekümmert wird. Da frage ich mich doch: Was haben die Geschäfte denn vorher gemacht? Die Kunden hilflos rumstehen lassen? Das Geschäft für gute Kunden nach Feierabend zu öffnen – das machen Platzhirsche und andere doch schon seit langem, genauso wie persönliche Einkaufsberatung zum Standard engagierter Händler gehört, lange bevor das Wort Curated Shopping die Modewelt eroberte.

Nicht, dass mich jemand falsch versteht, fein ziselierte Sortimente und sorgfältiger, individueller Einkauf sind gerade heutzutage genauso unabdingbar wie Angebote, die Kunden bei der Auswahl unterstützen und enger ans Geschäft binden. Die Frage ist nur, ob es dafür einen neuen Begriff braucht, den die Mehrzahl der Kunden wahrscheinlich ohnehin nicht versteht.

Ihr
Andreas Nemeth

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